Ötz, Wellerbrücke
Kajak PURE | Kajaker Bernhard Mauracher | Foto Markus Casaki


Geburtstag: 31.03.1979

Wir sind als Kinder – ich habe noch vier Geschwister – häufig zur Brandenberger Ache zum Grillen und Schwimmen gefahren. Da haben wir immer Kajakfahrer vorbei paddeln sehen. Das hat uns fasziniert und wir wollten auch mit diesem Sport anfangen. Wir haben die Kajaker immer gefragt, ob wir mal aufsitzen können aufs Heck. Zu meinem 15. Geburtstag haben mein Zwillingsbruder und ich ein Kajak plus Ausrüstung geschenkt bekommen. Wir sind dann gleich als erstes in die Brandenberger Ache eingestiegen. Das war im Frühjahr und aufgrund der Schneeschmelze war der Wasserstand sehr hoch. Da sind wir beide gleich abgeschwommen. Keiner von uns hat rollen können. Zitternd vor Angst haben wir uns ans Ufer gerettet, die Kajaks zur Straße hoch geschleppt und auf unsere Eltern gewartet. Das war unsere erste Lehre. Mein Vater ist Bergbauer, er kann noch nicht mal schwimmen und hat nicht die leiseste Ahnung von Wildwasser. Daher hatten unsere Eltern auch keine Bedenken.

Wir sind dann auf leichtere Abschnitte ins Zillertal gegangen und haben bei wenig Wasser uns selber das Paddeln beigebracht. Ich habe mir Wildwasserbücher gekauft und in den Büchern die Paddeltechnik studiert und dann trainiert. Videos habe ich mir auch geholt, um mir etwas abzuschauen und zu lernen. Nach der Arbeit sind wir so viel wie möglich paddeln gewesen. Mit 15 habe ich eine Lehre zum Maler gemacht, danach war ich dann beim Militär als Hochgebirgsjäger. Darauf bin ich zur Liftmontage gekommen und habe für die Bergbahnen gearbeitet. Heute arbeite ich als Freileitungsmonteur für ein Energieunternehmen in Tirol. Hauptberuflich Kajak zu fahren ist eher schwierig. Es ist immer noch eine Randsportart mit nur wenig Geld dahinter. Außerdem mag ich es, arbeiten zu gehen und mich auf das Wochenende zu freuen. Ich nutze auch den Urlaub voll aus. Ich habe im Jahr 2,5 Monate Urlaub durch meine vielen Überstunden und auch jede Menge Freizeit. Ich arbeite immer Montag bis Donnerstag von 7:00 bis 21:00 Uhr und habe dann drei Tage frei. Da lohnt es sich wirklich creeken zu gehen.

Als wir 15 Jahre alt waren, haben mein Bruder und ich eine Ausbildung zum Rettungstaucher gemacht. Wir sind auch einem Verein beigetreten, in Kramsach, dem aktivsten Kajakclub Tirols. Dort haben wir viele Kollegen kennen gelernt und uns gegenseitig unterstützt. Von da ist es schnell weiter gegangen. Wir waren in immer schwereren Wildgewässern paddeln und sind viel rumgekommen, zum Beispiel nach Korsika. Unser Vater war immer dabei, denn wir hatten ja noch keinen Führerschein. Irgendwann habe ich dann Olaf Obsommer und die Nussdorf WG kennen gelernt. Ich hatte mir damals schon seine Filme angeschaut. Durch meine Leistungen sind die Jungs auf mich aufmerksam geworden und haben mich dann mitgenommen zum Paddeln – zunächst zu kleineren Projekten, dann zu größeren und irgendwann dann auch zu Expeditionen.

Zur Filmerei bin ich übers Rodeo fahren gekommen. Ich bin früher viel Rodeo gefahren und hatte mir eine Kamera gekauft, um Videoanalysen von mir zu machen. Die stellte ich dann neben Walze auf. Später habe ich dann auch Wildwasserfilme gemacht, mit kleiner Kamera und ganz kleiner Ausrüstung. Zwei Filme habe ich in Norwegen gedreht und einen über unseren Kajakclub Kramsach. Mein erfolgreichster Film war aber ‚Ötztal – Reich des Wilden Wassers’. Olaf und Oli Grau waren bei meiner Filmvorführung und danach haben wir uns zusammen getan und begonnen, gemeinsam Filme zu machen. Ich bin ohnehin ein Teamplayer und mit Olaf gemeinsam Projekte zu realisieren, funktioniert super. Wie das Ötztal Festival zum Beispiel. Ich hatte die Idee, aber wir haben es dann gemeinsam durchgezogen. Mit dem Festival wollten wir darauf aufmerksam machen, dass uns Wildwasserfahrern durch immer neue Staudämme mehr und mehr Aktionsraum genommen wird. Die Idee an der Wellerbrücke ein Rennen durchzuführen, hatten schon viele, aber keiner hat sich getraut es auch umzusetzen und die Genehmigungen einzuholen. Letztes Jahr haben wir es dann gemeinsam mit dem Tourismusverband Ötztal durchgezogen. Erst waren sie etwas zurückhaltend, aber dann vollauf begeistert.

Ich bin sehr zielstrebig. Wenn ich etwas mache, dann hänge ich mich voll rein, oder ich mache es gar nicht. Früher bin ich auch Snowboard gefahren und hab Volksmusik gemacht. Das habe ich alles aufgegeben für den Kajaksport. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal solche Befahrungen machen würde oder gar filmen. Mein Freundeskreis hat sich durch den Sport sehr verändert. Früher hatte ich nur wenige Freunde und davon ist mir eine Handvoll geblieben, denn bin ich kaum mehr zu Hause. Gewonnen habe ich aber ganz viele neue Kollegen, die denselben Sport ausüben. Das viele reisen hat aber auch Schattenseiten. Nach neun Jahren ist die Beziehung mit meiner Freundin leider in die Brüche gegangen. Allerdings verstehen wir uns noch gut und treffen uns manchmal. Danach war ich mit einer Kajakfahrerin zusammen. Ich wollte mal wissen, ob das besser klappt. Ehrlich gesagt, ist mir eine Freundin, die den Sport nicht macht, lieber. Man kann sich mehr auf einander freuen und mehr zu erzählen, wenn der Partner etwas anderes macht.

Die Faszination am Kajaksport sind für mich schwere Katarakte und Flüsse, die schwer zu befahren sind. Diese kontrolliert zu befahren, Gefahren richtig einzuschätzen und mit der Gewalt Wasser richtig umzugehen, um mit dem Fluss und nicht gegen den Fluss zu paddeln, das macht es für mich besonders. Ich habe vor jedem Fluss großen Respekt und betrachte keinen Fluss mit Leichtigkeit. Respekt und Angst sind sehr wichtig in diesem Sport, um nicht leichtsinnig zu werden. Ich paddle aber auch sehr gerne auf leichtem Wildwasser, denn das macht den Kopf wieder frei. Man will ja nicht immer nur schwer paddeln.

Stärken
Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und Ausdauer. Meine Träume verfolge ich sehr zielstrebig.

Schwächen
Beziehungen. Alles, was sich um die Liebe dreht. Ich bin sehr sentimental (Sternzeichen Widder) und mache mir viele Gedanken über alles und jenes. Und zwar ständig. Ich kann schlecht abschalten und habe ständig neue Ideen. Projekte mit schweren Katarakten, geistern mir Monate im Kopf herum.






Toni Prijon
Jobst Hahn